Ich besuchte Simala . . .

. . . doch wie komme ich wieder zurück?

Simala ist sicherlich einer der ersten Namen, die Du hören wirst, wenn Du Dich nach Sehenswürdigkeiten auf Cebu umhörst.

Simala ist eine fantasievoll gestaltete Kirche an der immer gebaut wird, wodurch sich das Aussehen auch immer wieder verändert.
Es ist eines der wichtigsten Heiligtümer weit und breit.

Simala befindet sich nur ca. 58 Kilometer südlich von Cebu-City und doch sind es über zwei Stunden Fahrtzeit.
Für einen Spaziergang definitiv zu weit entfernt, das war mir schnell klar.

Wie also komme ich dahin?

Ich habe einige Taxifahrer nach einem Preis gefragt und da das Taxi vor Ort auf Dich warten wird, bekommst Du einen Tagesansatz zu hören, den die Fahrer wohl selbst festlegen.
Die aufgerufenen Preise bewegten sich zwischen PHP 2’000.- – 6’000.-.

Eine ganz schöne grosse Differenz zwischen dem tiefsten und dem höchsten Angebot.

Für einen ganzen Tag scheint der Preis sicherlich in Ordnung, gemessen an der Einzelstrecke und dem Durchschnittseinkommen, war es mir aber zu viel.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es auch eine reguläre Buslinie nach Simala gibt und das diesevom South Bus Terminal, in Cebu-City abfährt.
Ich packte meinen Fotoapparat, ging zur Hotellobby und bat den Security-Guard, mir ein Taxi zu rufen.

Zum Glück fragte er mich noch, wohin ich will.

Von meinem Vorhaben, mit dem Linienbus nach Simala zu fahren, war er nicht wirklich begeistert, genauso wenig der Concierge und der Taxifahrer.
Und das hatte einen einfachen Grund.

Der Linienbus hat unterwegs einige Haltestellen, die er anfährt und dadurch wird die Strecke zu einer gefühlten Ewigkeit.

Na gut, was ist denn die Alternative?
V-Hire war die einstimmige Antwort.

Ohne darüber nachzudenken, sagte ich, dass ich in dem Fall ein V-Hire nehmen werde.

Der Sucurity-Guard und der Taxifahrer besprachen noch kurz, wo die V-Hire Station ist und dass ich jetzt dorthin möchte.

So weit so gut.
Auf der Fahrt dachte ich mal darüber nach, was eigentlich ein V-Hire ist, denn davon hatte ich noch nie etwas gehört.
Man liest ja immer wieder von der Abzocke an Touristen und so stellte ich mir bereits vor, dass ich jetzt in einer sieben Meter langen Edellimousine mit 24 Karat Goldtürgriffen chauffiert werde und der Fahrpreis ein Zehnjahres-Einkommen eines Filipinos betragen wird.

Die übermächtige Internetsuchmaschine gab schnell eine Entwarnung.
V-Hire sind Minivans, die in etwa dieselbe Strecke fahren wie die Linienbusse oder auch direkt spezielle Orte, wie Sehenswürdigkeiten oder Häfen, ansteuern.

Der grosse Unterschied zum Linienbus besteht darin, dass sie keine oder nur sehr wenige Haltestellen anfahren und dadurch ähnlich schnell am Ziel sind, wie ein Taxi.
Wohlgemerkt, zu einem Preis, der unmerklich über dem eines Linienbusses liegt.

Kurz – um eine Sehenswürdigkeit zu besuchen ist ein V-Hire die perfekte Wahl.

Bei der V-Hire Station angekommen ging alles sehr schnell.
Ich wurde freundlich in Empfang genommen und auch direkt zu dem V-Hire gebracht, welches als nächstes nach Simala fährt.

Okay, die Minivans werden bis auf den letzten Millimeter aufgefüllt, für einen Europäer mit 1.85 m Körpergrösse und beinahe 100 Kilo Lebendgewicht wird es eng.
Doch ich wollte die Filipinos ja kennenlernen und so reisen, wie sie es tun.

Der Fahrer versuchte mich noch mit meiner jungen Banknachbarin zu verkuppeln.
Zugegeben, sie war eine wunderschöne Filipina . . .
Doch in einem Fahrzeug voller Filipinos und mit meinem Bruchstückenglisch lief ich wohl rot an wie eine Tomate, denn es brach ein grosses Gelächter aus.

Mit der aufgekratzten Stimmung im Inneren des Minivans und lautem Geplapper setzte sich der Kleinbus in Bewegung, mit Ziel Simala.

Quer durch Cebu-City in Richtung Süden der Insel Cebu.

Die Grossstadt lag schon bald hinter uns und ich sah immer mehr davon, wie die Philippinen sind, wenn man die touristischen Orte verlässt.
Mir gefiel was ich sah, war und ist es doch völlig anders wie alles, was ich bis dahin kannte.

Ebenfalls schnell bemerkte ich eine Eigenschaft an den Filipinos, die ich auf meiner Reise immer wieder sehen werde.
Kaum setzt sich ein Fahrzeug in Bewegung, schlafen die meisten Filipinos.

Ich frage mich bis heute ob das eine Art von Selbstschutzstrategie ist, denn so sehen sie nicht, was sich auf den Strassen abspielt.

Wirklich schnell sind die Fahrzeuge auf den Philippinen nicht unterwegs.
Geschwindigkeiten von über 60 oder 80 km/h sind eher die Ausnahme.
Es sind die Überholmanöver, die eine fahrt auf den Philippinen zum Abenteuer werden lassen.

Entweder war meine Optik verzogen oder es wird in den meisten Fällen im Blindflug überholt.
Zur Ehrenrettung muss ich aber auch sagen, dass ich bis heute noch keine brenzlige Situation erlebt habe.
Ich fühlte mich immer sicher und wohl.

In Sibonga bog der Minivan rechts ab und bretterte, die 2.5 Kilometer, durch eine relativ verlassene Gegend, den Hügel hoch bis zum Heiligtum Simala.

Dass ich bereits bei der Ankunft einen folgenschweren Fehler beging, sollte ich erst später feststellen.
Ich war einfach nur froh, dass ich dem engen Platzverhältnis, mit dem Türgriff in meinem Oberarm, entkommen konnte.

Ich packte meine Rucksack, verliess das V-Hire und steuerte Simala an.

Die Strasse, hoch zum Heiligtum, ist links und rechts mit Bretterbuden gesäumt, in denen Speisen, Getränke und Allerlei angeboten werden, die die Besucher und vor allem die Pilger benötigen oder benötigen könnten.

Ich glaube auch, dass ich hier das erste Mal den Touristenpreis für eine Flasche Wasser bezahlt habe.

Da stand ich nun – vor Simala.


um die Bilder zu vergrössern, bitte anklicken


Es ist schon ein interessantes Bauwerk.
Es fällt schwer es in irgendeine Kategorie von Gotteshäuser einzuordnen die ich bis dahin schon gesehen hatte.
Tausende von Filipinos reihten sich in die Schlange ein, um über die Brücke zur Kirche zu gelangen.
War wohl nicht die beste Idee, Simala an einem Sonntag zu besuchen.
Ist doch der Sonntag der Tag, an dem die Filipinos in die Kirche gehen.

Es war sehr heiss und jeder noch so kleine Platz am Schatten war bereits besetzt.
Die Kirche war brechend voll und so entschied ich mich bald wieder zurück nach Cebu-City zu fahren.

Und jetzt dämmerte mir etwas . . .

Der Rückweg!
Ich habe mich nicht auch nur eine Sekunde um den Rückweg gekümmert!

Der Logik folgend, ging ich dorthin zurück, wo wir aus dem Kleinbus ausgestiegen waren.
Dort angekommen musste ich aber schnell feststellen, dass dieser Platz nur zum aussteigen lassen dient.
Da stand weit und breit kein V-Hire.
Auch kein Billetschalter.
Nichts!

Okay, kühlen Kopf bewahren – was angesichts der Hitze relativ schwer fiel.

Erst mal etwas zu Essen und zu Trinken, an einem der zahlreichen Bretterbude, geholt und einen Schattenplatz gesucht.

Gestärkt fragte ich mal nach, wo denn die V-Hires stehe, in der Hoffnung, dass das Fahrzeug dort steht, mit dem ich gekommen war.

Alle zeigten sie in eine Richtung.
Hinten unten ist wohl der Parkplatz, wo die V-Hires stehen.
Dann kann es ja nicht so schwierig sein, wieder zurück zu kommen – dachte ich und wurde bald eines Besseren belehrt.

Von oben sah ich über den Parkplatz und ich fühlte, wie ich Herzrhythmusstörungen bekam.
Da standen über hundert weisse Minivans.
Das Erkennen ‚meines‘ weissen Minivan war also ausgeschlossen.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich auch die Filipinos noch nicht wirklich auseinanderhalten.
Somit war die kleine Hoffnung, allenfalls den Fahrer zu erkennen, ebenfalls weg.

Ähm ja, ich stehe irgendwo im Nirgendwo . . .
Wie komme ich zurück nach Cebu-City?

Taxi?
Da gibt es kein Taxi und ich habe auch keine Telefonnummer von einem Taxi bei mir.

Linienbus?
Das ginge wohl, ich müsste nur ca. 2.5 Kilometer von Simala bis nach Sibonga laufen und das teilweise durch den Dschungel.
Die Idee begeisterte mich also auch nicht wirklich.

Autostopp?
Ob das auf den Philippinen wirklich so eine gute Idee ist, weiss ich bis heute nicht.

Nun ja, was blieb?

Ich sprach einfach mal einen vermeintlichen Minivan-Fahrer an.
Der entgegnete mir kurz, dass dieser Minivan privat sei und liess mich stehen.

Wie jetzt?
Ein V-Hire ist privat?
Will er mich verarschen?

Ich stand da, mit heruntergelassenen Hosen, in Mitten all dieser weissen Minivans.
Der Anblick muss wohl für die Götter gewesen sein.

Ich war Ratlos, wusste echt nicht wie weiter, als der vermeintliche V-Hire-Fahrer zurück kam.
Er lachte und winkte mir zu, ich solle kommen, ich könne mitfahren.

Ich wusste ja bereits, dass die Filipinos gerne Spässchen machen – aber so derbe?

Gemütlich sass ich im V-Hire, glücklich, dass ich doch noch nach Cebu-City zurückkomme.
Langsam setzte sich der Bus in Bewegung.
Wann wird eigentlich der Fahrtpreis eingezogen?

Merkwürdig, in dem Fahrzeug sitzen nur gerade sieben Filipinos.
Ich war erstaunt, dass dieses V-Hire nicht komplett ausgelastet losfährt.
Normalerweise ist es so, dass auf den Philippinen ein Fahrzeug erst losfährt, wenn es voll oder übervoll ist.

Und warum läuft da laute Musik?
Warum hat es einen Wasserkocher und so viele Lebensmittel?
Warum sagen sie mir alle, dass sie unterwegs noch ein Picknick machen werden?

Scheint wohl ein sehr gemütliches V-Hire zu sein, dass ich da erwischt hatte.

Erst langsam begriff ich, dass ich tatsächlich in einem privaten Minivan, zusammen mit einer Filipinofamilie, sass.

Und da waren sie wieder vor meinem geistigen Auge, all die Zeitungsberichte von Touristen, die irgendwo auf den Philippinen im Dschungel verschwinden.

Ich sass etwas auf glühenden Kohle und hoffte, dass alles gut geht.

Nach wenigen Kilometer steuerte der Fahrer einen Picknick-platz, mitten im Dschungel an. Ein sehr beliebter Platz, denn es waren auch viele andere Filipinos da, die ein Picknick machten.

Heute weiss ich, dass ein Picknick auf den Philippinen ein sehr wichtiges soziales Ereignis ist.
Wenn es Besuch oder sonst etwas zu feiern gibt, dann machen die Filipinos ein Picknick.
Sie nennen es die Beziehungen stärken oder einfach Family-bonding.

Für mich war es das erste traditionelle philippinische Essen, das ich ass – und es war wirklich sehr lecker.
Gegessen wurde traditionell mit den Händen.
Das war erst mal eine Gewöhnungssache für mich.

Auch nach vielen Jahren spanischer Kolonie, japanischer und amerikanischer Besatzung und obwohl die Filipinos sehr gut Englisch sprechen und, verglichen mit anderen südostasiatischen Ländern, eine sehr gute Schulbildung haben.

Bei allen Unterschieden zu den buddhistischen Ländern, rund um den Inselstaat, hier beim Picknick erlebte ich auch die Gemeinsamkeiten.
Filipinos sind sehr gastfreundlich, fröhlich und neugierig.
Sie essen gerne und auch viel.
Sie teilen mit Dir, was sie haben.
Es ist nicht wichtig woher Du kommst und was Du besitzt.
Es ist wichtig, wer Du bist und wie Du Dich gibst.

Beim Essen wurde viel geschwatzt und natürlich wurde ich mit Fragen überhäuft.
Sie lachten immer wieder über den Tourist, der nicht wusste wie er zurück nach Cebu-City kommt.

Nach dem Picknick ging es mit einer guten Stimmung auf den Rückweg.

Unterwegs noch kurz angehalten und einen warmen Früchtekuchen gekauft.
Eine Spezialität die überall angeboten wird und wirklich saulecker ist.

Der wurde unterwegs verzehrt, während wir uns kreuz und quer unterhielten.

Es wurde viel über die beiden Länder Philippinen und Schweiz gesprochen.
Das Hauptthema waren natürlich Motorräder, denn alle fahren sie Motorrad.
Wie auf den Philippinen üblich aber 125ccm und 150ccm.

Die grossen Motorräder, wie sie bei uns üblich sind, sind auf den Inseln eher selten anzutreffen.
Dementsprechend gross ist die Bewunderung für 1’000ccm, 1’200ccm oder noch grössere Motoren.

Ich durfte viel über das Völkchen lernen und war doch froh, dass ich mich nicht um den Rückweg gekümmert hatte, denn sonst wäre mir dieses Erlebnis entgangen.
Was definitiv ein Verlust gewesen wäre.

Einige Zeit später erreichten wir Cebu-City und ich verliess die Gruppe mit etwas Wehmut, denn es war eine unterhaltsame und lehrreiche Fahrt.
Natürlich haben wir die Kontaktdaten ausgetauscht und mit einigen aus der Gruppe habe ich heute noch Kontakt.

Ich machte mich auf den Weg zum Hotel, mit einem Rucksack voller toller Erinnerungen.

Nur eine erfrischende Dusche und weiter ging es, denn mein Abendprogramm stand auch schon fest.
Erst ging es in die Ayala-Mall für ein leckeres Abendessen und später liess ich den Tag, wie gewohnt, im Coffee-Bean ausklingen.

Nun war sie endgültig da, die Neugierde auf dieses Land und die Leute.
Ich war glücklich, dass ich auf den Philippinen gelandet war.

Die weitere Reise sollte noch mehr für mich bereithalten.

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